FY-20A RC Stabilisationssystem (Teil 1)

Schon seit einiger Zeit gibt es am Markt diverse Flugstabilisierungssysteme für Modellflugzeuge. Nun auch solche, die für uns FPV Flieger aufgrund geringer Größe, Gewicht und Handhabung besonders geeignet und erschwinglich sind.
Brand neu ist der FY-20A (ohne Return to Home) und den FY-21AP (mit Return to Home). Diese Systeme kommen ohne Sensoren außerhalb des Flugmodells aus, funktionieren bei jeder Wetterlage sowie bei Dunkelheit.
Der FPV-Shop FPVflying.com hat uns die Basisversion, den FY-20A, zum Testen überlassen. Nun haben wir das kleine Wunder für Euch unter die Lupe genommen, getestet und berichten nun, wie es sich im Alltagseinsatz schlägt.

Technische Daten – Angaben des Herstellers

Typ: Basisversion FY-20A Gyro 3- Achsenstabilisierung

Betriebsspannung: 4,0~6,0 Volt
Stromaufnahme: 52mA bei 5.0 Volt
Abmessungen HxBxT: 20×33x55 (mm)
Gewicht: 20g
Umgebungstemperatur: -25°C – +70°C
Maximale Drehrate pro Sekunde: < 1200 °/s

Modellvielfalt: Modellflugzeug mit und ohne Querruder, V-Leitwerk mit und ohne Seitenruder, Modelle mit Delta Mix

Kompatible RC-Empfänger: Robbe-Futaba PPM / PCM 1024 / PCM G3 Mode Graupner JR PPM 8, PPM 12, SPCM Mode Multiplex PPM 8, PPM 12 mit UNI Mode 1,5ms

Verpackung und Inhalt

Im Luftpolsterbeutel gut verpackt und mit DHL versendet, kam das Päckchen bei uns an. Positiv fiel das umfangreiche Zubehör auf. Das Modul selbst kommt in einem hellblau-transparenten Gehäuse daher. Es ist 55mm lang, 33mm breit, 20mm tief und nur 19 Gramm schwer. Im Gegensatz zu vielen ähnlichen Produkten ist das Modul nicht in einem einfachen Schrumpfschlauch eingeschweißt. Das Gehäuse ist stabil und lässt sich sogar aufschrauben. Wer also Gewicht sparen möchte, kann die Platine auch aus dem Gehäuse nehmen. Diese wiegt dann nur noch 9,5 Gramm. Vier JR-Servoanschlusskabel mit 18,5cm Länge, ein Kunststoff-Schwingungsdämpfer, zwei Klettbänder und eine bebilderte englische Anleitung liegen außerdem bei.

Wirkungsweise und Installation

Der FY-20A bietet eine Stabilisierung über drei Achsen (Höhe, Seite, Quer). Es ist sogar möglich, Modelle mit V-Leitwerk oder Delta Mix anzusteuern. Via Steckkontakt wird das Modul auf den benötigten Flächentyp umgestellt. Die Stabilisierung wird mit Hilfe dreier Gyro-Sensoren  und einer prozessor-gesteuerten Berechnungselektronik ermittelt.

Schematische Darstellung zur Funktion:

Leider benötigt man auch bei diesem System ein Y-Kabel für den Anschluss eines zweiten Querruders. Somit fällt eine komfortable Einstellung der Querruder-Differenzierung via RC-Sender weg. Hier muss man sich mechanisch behelfen und notfalls, insofern die Servos symmetrisch anstatt gegeneinander laufen, noch ein elektrisches Y-Kabel mit schaltbarer Invertierung benutzen.
Wir hatten in unserem Test versucht die Seitenruderachse als zweites Querruder zu “missbrauchen”, was aber leider nicht richtig funktionierte.

Beim Einbau des Moduls sind nur wenige Handgriffe notwendig. Man sollte aber möglichst eine Stelle im Flugmodell suchen, die einigermaßen luftzirkulierend ist bzw. keinen hohen Temperaturschwankungen unterliegt, damit die Gyros nicht zu sehr abdriften. Der Hersteller empfiehlt bei Temperaturschwankungen über 30 Grad Celsius, das Modul vor dem Flug noch einmal zu resetten. Auch nach einer langen Nichtbenutzung des Moduls wird dieses Vorgehen empfohlen. Ob ein eventueller Gyrodrift problematisch ist oder ob das Modul in der Lage ist gegen, den Drift zu steuern, erläutern wir im Abschnitt Flugtests. Prinzipiell kalibriert sich der FY-20A beim Einschalten stets selbst. Einmal eingestellt, sind vor dem Flug keine weiteren Dinge zu beachten. Das Modul wird mit einem Klettband auf dem beiliegenden Schwingungsdämpfer positioniert, sodass der aufgedruckte Pfeil in Flugrichtung zeigt. Beim Anschließen der Kabel sind die relevanten Steuerkanäle vom RC-Sender mit dem FY-20A zu verbinden. Diese wären dann Aileron (Querruder), Elevator (Höhenruder), Rudder (Seitenruder) und Switch (Schaltkanal). Für das Herstellen dieser Verbindungen liegen, wie wir bereits oben erwähnt hatten, vier Servoanschlusskabel bei. Der Schaltkanal Switch ist ein beliebiger Schaltkanal des RC-Senders. Er wird benötigt um im Flug die verschiedenen Modi umzuschalten. Es stehen beim FY-20A folgende drei Modi zur Verfügung:

- Mode 1: AUS – RC- Steuerung normal, keine Stabilisierung

- Mode 2: Acro/3D – Stabilisierung mit Erhaltung der zuletzt gesteuerten Fluglage RC- Steuerausschläge unbegrenzt

- Mode 3 Stabilisator Normal – Modell wird immer automatisch eine horizontale Fluglage einnehmen, sobald die Steuerknüppel losgelassen werden. Ruderausschläge sind jedoch begrenzt. In diesem Modus sind keine Rollen und kein Rückenflug möglich

Die einzelnen Modi sind im Flug generell nach Belieben umzuschalten. Hierfür wird ein 3- Phasenschalter am RC-Sender benötigt. Das Umschalten der Modi mit einem einfachen Schalter ist nur begrenzt möglich. Hierbei können dann nur zwei Modi ausgewählt werden: entweder Mode 1 + Mode 2 oder Mode 1 und Mode 3.
Die Querruder werden über ein Y-Kabel direkt in den Ausgangskanal des FY-20A gesteckt. Gleiches gilt auch, jedoch ohne Y-Kabel, für Höhen- und Seitenruder. Beim Anschluss gab es bei uns im Test keinerlei Probleme. Alle Steckkontakte waren stets fest und die Verbindungen sicher. Bei der ersten Inbetriebnahme ist die Ruderwirkung im Stabilisierungsmodus sowie die Drehrichtung der Servos zu kontrollieren. Mittels dreier Drehpotentiometer auf der Platine des FY-20A kann man komfortabel die maximalen Ruderausschläge des Stabilisierungsmodus und dessen Drehrichtung einstellen. Für den Erstflug empfehlen wir hier möglichst kleine Ausschläge vorzugeben und sich Flug für Flug heran zu tasten, wie sich das Modell im Stabilisierungsmodus verhält. Sind die Ausschläge zu groß eingestellt, besteht die Gefahr ein Modell zu verlieren, wenn man nicht schnell genug die Stabilisierung wieder abschaltet oder man sich in einer zu geringen Flughöhe befindet. Hier ist äußerste Vorsicht geboten. Es gilt der Grundsatz: Weniger ist mehr.

Flugtests

Für den Erstflug wählten wir das Trägersystem Maja aus. Es folgte ein Testflug mit und ohne Schwingungsdämpfer bei viel und wenig Wind. Zuerst brachten wir die Maja ohne Stabilisierung auf eine sichere Ausgangshöhe und schalteten zunächst Mode 3 ein. Ab diesem Zeitpunkt war das Flugmodell und der FY-20A auf sich selbst gestellt. Erstaunt und beeindruckt zugleich, sahen wir, wie stabil sich die Maja mit ihrer Größe und ihrem Gewicht von ca. 3kg eigenständig in der Luft halten konnte. Selbst größere Windböen konnten ihr nichts anhaben. Hier zeigen sich die Stärken des Systems, denn bei viel Wind ist es bei der Steuerung ohne Stabilisierungssystem nicht schnell genug möglich die Fluglage so exakt zu halten, wie der FY-20A es tut. Es war fast keine Kursabweichung zu erkennen, die Maja flog stabil und ruhig. Beim aktiven Steuern in Mode 3 stellten wir allerdings eine gewöhnungsbedürftige Trägheit in der Steuerung fest. Das aktive Fliegen in diesem Mode fühlte sich wie 100% Expo auf allen Rudern an. Es brauchte eine Weile, sich daran zu gewöhnen. Das Modell blieb aber stets steuerbar. Zu keinem Zeitpunkt entstand ein Gefühl von Unsicherheit. Beim selbstständigen Gleitflug sollte man aber immer die Fluggeschwindigkeit im Auge behalten. Besonders bei nich-eigenstabilen Flugmodellen kann dies zum Verhängnis werden, wenn die Fluggeschwindigkeit gegen den Wind zu niedrig wird und dadurch ein Strömungsabriss erfolgt. Im Mode 2 (3D/Acro Mode) ist die Steuerwirkung neutral und es kann wie gewohnt geflogen werden als wäre der FY-20A nicht aktiv. Es fiel aber sofort auf, das hier nun eine Art Heading Hold Funktion am Werke ist. Steuerten wir die Maja in eine bestimmte Richtung und ließen die Steuerknüppel los, so hielt der FY-20A diese Fluglage gut bei. Das Flugmodell und dessen Einstellungen waren allerdings für einen richtigen 3D-Flug nicht geeignet. Hier ist absolutes Feintuning erfoderlich. Es empfiehlt sich, in diesem Modus sehr vorsichtig mit den Ruderausschlägen zu sein, die das Stabilisierungsmodul vornehmen darf. Grundsätzlich funktioniert dieser Modus aber sehr genau und ist mit Sicherheit auch für den ambitionierten 3D-Flieger interessant. Großartige Vibrationen mag der FY-20A jedoch überhaupt nicht. Nicht ohne Grund liegt dem Set ein Schwingungsdämpfer bei. Bei weiteren Testflügen ohne eine Schwingungsdämpfung reagierte der FY-20A mit unkontrollierten, heftigen Ruderausschlägen und verweigerte seinen Dienst. Hier kann man viel falsch machen und wir sehen große Probleme das Stabilisierungssystem in einem Verbrennungsmodell zu betreiben. Aufgrund fehlender Testmodelle konnten wir leider solch einen Test noch nicht durchführen. Probieren geht hier über Studieren. An unseren Testtagen war es sehr heiß und wir stellten fest, das der FY-20A bei Temperaturschwankungen, besonders bei einsetzender Dämmerung einen leichten Drift hat. Dies konnte aber leicht und schnell mit einer manuellen Kalibrierung behoben werden.
Zur Veranschaulichung zeigen wir hier nachfolgend das Flugvideo.

Fazit

Der FY-20A wartet im Vergleich zu seinen Konkurrenten mit durchdachter Technik bei kleinen Abmessungen und geringem Gewicht auf. Der Verkaufspreis der Basisversion von derzeit $110,00 Dollar ist sehr erschwinglich und ansprechend. Einzig den zweiten Querruderanschluss sucht man leider vergeblich. In der Praxis funktioniert das Stabilisierungssystem gut und macht das Fliegen sicherer. Verwackelungen von Videoaufnahmen oder Fotos aus dem Flugmodell werden minimiert und Landeanflüge zum Kinderspiel. Fliegen bei Wind steuert das System gekonnt aus. Der 3D-Modus lässt komplizierte Flugfiguren auch für ungeübte Modellpiloten wahr werden und unterstützen das eigene Können sehr. Für absolute Fluganfänger ist das Produkt jedoch nur bedingt geeignet. Hier sollte ein erfahrener Modellpilot beim Einbau und Einstellen des FY-20A stets zur Seite stehen, um Abstürze durch Unwissenheit und Überforderung zu vermeiden.

Wertung

Pro
+++ Zuverlässiger Betrieb
+++ Sehr geringes Gewicht
+++ geringe Größe
+++ unkomplizierter und schneller Einbau
+++ Modi im Flug um und abschaltbar
++ umfangreiches Zubehör inklusive

Kontra
- – - kein zweiter Querruderanschluss
- - geringer Gyrodrift bei starken Temperaturschwankungen
- Anleitung manchmal leicht missverständlich und nur in Englischer Sprache

Testergebnis: GUT

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